Grüße aus dem Winter

Hallo aus dem Winter
Während in Deutschland der Sommer richtig begonnen hat, ist hier Winter und gerade sind Winterferien und die Kinder sind bei sich zu Hause. So ist das Internat fast leer, was nicht heißt, dass es nichts zu arbeiten gibt- aber ich habe mal wieder Zeit, ein paar Berichte von unserem Erlebten hochzuladen. Jetzt in den Ferien unterstützen wir die Mitarbeiter, putzen die Räume, Bügeln und führen Inventur durch.

Auch durften wir im Kindergarten zwei Wände bunt und fröhlich bemalen.Malerwerk im Kinder

Außerhalb von den Ferien ist alles beim Alten, Pauline und ich gehen abwechselnd in die Schule zum Englischunterricht und in den Kindergarten und am Nachmittag sind wir „Presente“ für alle Besucher.
Nun aber zu Festen

„La Feria de la Fruta“ (Der Fruchtmarkt)

Zurzeit gibt es hier in Bolivien viele leckere Früchte, wie zum Beispiel Orangen, Mandarinen, Pomelos und Grapefruits. Alles nicht zu vergleichen mit dem Supermarktobst in Deutschland, die Früchte sind größer, haben einen intensiveren Geschmack und duften unglaublich! Auch die Avocado wird gerade reif und eine Frucht, die wahrscheinlich nicht viele kennen- die Chirimoya. Das ist ein hellgrünes Teil mit „Zacken“, wenn es geerntet wird. Essbereit ist es dann dunkelgrün. Diese Frucht kann so groß wie eine Wassermelone werden, aber gibt es in allen Größen. Innen ist sie weiß und weich und hat große Kerne. Den Geschmack kann ich nicht beschreiben. Einige meinen, es schmeckt wie Erdbeeren mit Sahne, aber das kann ich irgendwie nicht so behaupten 🙂

Zu Ehren dieser Chirimoya und der Avocado gibt es in Independencia jedes Jahr ein Fest, bei dem sich die Einwohnerzahl für ein Wochenende mindestens verdoppelt. Viele Menschen kommen aus der Stadt, um an der „Feria de la Fruta“ (Fruchtmarkt) teilzuhaben, auf der Plaza zu traditioneller und moderner Musik von verschiedenen Gruppen zu tanzen und zu feiern und am Sonntag schließlich die schönsten, besten und leckersten Früchte zu küren. Traditionell steht auch hoher Besuch aus der Politik an, welcher die Festrede hält und die besten Früchte schließlich ehrt. Der Präsident Evo Morales war dieses Mal anscheinend verhindert und so hat er seinen Vizepräsidenten Álvaro García Linera geschickt. Das Wochenende ist eines der Highlights in „meinem“ Dorf und war mal wieder ein Fest bei dem wir die bolivianische Kultur näher kennengelernt haben.Chirimoya

Día de la Madre (Muttertag)

Hier wird der Muttertag am 27.Mai ebenso wie schon der Vatertag richtig gefeiert. Begonnen mit einer „Hora civica“ – einem Treffen aller Schüler in der Turnhalle, wo verschiedene Tänze, Gedichte und Lieder aufgeführt werden- folgte ein Essen jeder Schulklasse für ihre Mütter und am Abend gab es noch ein von den Lehrern organisiert und bezahltes Essen für die Lehrerinnen. Ich habe diesmal auch an der Hora civica aktiv teilgenommen und habe mit den kleinen Kids aus dem Kindergarten in traditioneller Tracht Morenada getanzt.Morenadatanzen

Día del Maestro (Tag des Lehrers)

Eine Woche später folgte der „Día del Maestro“ (Tag des Lehrers). Und wieder gab es eine „Hora civica“ und danach ein gemeinsames Lehrerfrühstück. Hier ist es Tradition, dass die Schüler ihre Lehrer früh morgens, so gegen 5 Uhr, mit viel Lärm und dem Schulorchester wecken und schließlich ein erstes Frühstück für sie bereiten. Weiterhin bereitet jede Klasse für seinen Klassenlehrer eine Torte und einen Tanz vor. In die Torte muss der Lehrer dann reinbeißen und dabei wird ihm der Kopf etwas nachgedrückt, sodass dann die leckere Sahne im Gesicht und Haaren verschmiert ist und alle ihren Spaß haben. Abends gab es wieder ein Essen für die Lehrer mit Taufe der neuen Lehrer und anschließendem Tanz. Das war richtig lustig.BeglückwünschteMütter

 

Vom Feiern zur Arbeit und auch da gibt es Neuigkeiten, auf die alle hier ganz stolz sind:

„Mit 8 Räumen begannen wir die Kariere unseres Colegios, heute müssen wir zu den 30 vorhandenen noch 14 Aulas anbauen, damit wir all unsere Schüler in einem der zeitangemessenen Gebäude unterrichten können.“, Schwester Verena Birnbacher bei der Einweihungsrede des neuen Anbaus am Colegio.

Seit vielen Jahren mangelt es im Colegio „Boliviano-Aleman“ in Independencia an Klassenräumen, weshalb sechs Schulklassen provisorisch in Gebäuden außerhalb des Schulgeländes untergebracht wurden. Dies ist kein Dauerzustand und so kämpfte Schwester Verena Birnbacher seit Langem für das Erbauen neuer Klassenräume und für die finanzielle Unterstützung der Stadtregierung.

Im Jahre 2013 war es dann soweit und der Grundstein für den Anbau an das Gelände, wo auch die Grundschulen „Gregorio Lanza“ und „Jose Miguel Lanza“ untergebracht sind, wurde gesetzt. Zwei Jahre später konnten schließlich die ersten fertiggestellten Klassenzimmer feierlich eingeweiht werden. Aus den anfänglich 12 geplanten neuen Zimmern wurden letztendlich 14 „Aulas“ für die Schüler gezaubert. Die Ausgaben für dieses Projekt beliefen sich dabei auf rund 2 Millionen Bolivianos, die von der Stadtregierung übernommen wurden. Am späten Vormittag versammelten sich alle Verantwortlichen, Geldgeber, Eltern und alle Schüler der Bildungsstätte „Fe y Alegría“, sowie einige Schaulustige zur Übergabe bei dem neuen Trakt. Wie immer bei den Veranstaltungen von „Fe y Alegría“ gab es ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm. Zwischen den Reden von Bürgermeister, Stadtrat, Projektleiter, Elternvertretung und nicht zu vergessen Schwester Verena unterhielten traditionelle Tänze und Musik von der Banda des Colegios die Gäste. Die Verantwortlichen wurden mit Blumen- und Brotkränzen geehrt und nach dem Durchtrennen des Baubandes wurden 5 Tontöpfe gefüllt mit Chicha symbolisch auf einem Stein zerschlagen, was für den Erfolg des Projektes und ein langes Erhalten steht.Einweihung mit Chicha

Die Begehung des Gebäudes und der Räume rundete für die Gäste die Einweihung ab. Für die Verantwortlichen und besonderen Geladenen folgte ein Mittagessen.Feudige Schwester Verena

Hier standen allen Interessierten die Türen offen, wie auch in einer anderen Einrichtung, die ich vorstellen möchte.
Unter diesem Motto „ Die Türen stehen dir offen“ wurde zusammen mit dem Internat und den Schulen die „Puerta abierta“(Offene Tür) vor 40Jahren von der deutschen Schwester Verena gegründet. Die Idee hinter dieser Institution ist, dass Kinder aus dem ganzen Dorf sich dort treffen, spielen, basteln oder auch lernen können. Jeden Abend von 18 Uhr bis 21 Uhr haben die Kinder, geordnet nach Altersgruppen, die Möglichkeit vor allem Gesellschaftsspiele, die zum größten Teil deutscher Herkunft sind, zu erlernen, da es das hier in den meisten Familien gar nicht gibt. In diesen „Gruppenstunden“ werden so unter anderem die gemeinsamen Umgangsformen praktiziert und so hat es auch einen bildenden Effekt. Meine Mitfreiwillige und ich begleiten die Leiterinnen und spielen mit den Kindern, lehren ihnen neue Spiele oder gestalten einen „Mottoabend“, wie zum Beispiel Kinderdisco oder Bastelabend zu einem bestimmten Anlass.Puerta Abierta

Diese Woche folgt ein weiteres Fest: „Fiesta de la Virgen del Carmen“ Dazu aber im nächsten Eintrag.

Schule

Liebe Grüße, Eure Kira